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Larmoyante Mittelklassen-Nonchalance Botho Strauß' "Unerwartete Rückkehr" im Depot Das jüngste Stück des bedeutenden Dramatikers Botho Strauß, "Unerwartete Rückkehr", ist vor knapp zwei Monaten beim Berliner Ensemble in der Regie von Luc Bondy uraufgeführt worden. Schnell genug, hat sich das Stuttgarter Staatsschauspiel die Rechte an diesem Werk gesichert und es jetzt als zweite deutsche Produktion von Erich Sidler im Theater im Depot inszenieren lassen. Eine feine, gekonnt zelebrierte Angelegenheit zwischen vier Menschen, die sich zu benehmen und zu kleiden (Renée Listerdal) wissen, die sich artikulieren können, und die in freundlicher Lockerheit behandeln, was Anderen das Leben zerstören würde. Möglicherweise haben sie sich tatsächlich gegenseitig und selbst ihre Leben zerstört, aber, Hand in der Tasche und ein raffiniertes Lächeln aufgesetzt, darüber verliert man doch nicht seine Selbstsicherheit! Als der "andere Mann" (Sebastian Kowski) den "Mann" (Gottfried Breitfuß) nach dem Wege fragt, weist der auf "die Frau" (Hedi Kriegeskotte) in der Ecke und sagt: "Sie hatten einmal eine Abtreibung mit ihr" - Hand in die Tasche und lässig mit der Brille geschlenkert. Zwanzig Jahre ist die Affäre her, an die sich der Andere zunächst nicht und später nur ungern erinnert, sie hat zwei Jahre gedauert und allen viel gebracht. Der Mann, der die Sache damals akribisch beobachtet und sie sich in allen Einzelheiten gemerkt hat, kann nun seine Frau fortwährend demütigen ("Ein Bündel Schiefgegangenes liegt mir zu Füßen") und elegant über seine damaligen Leiden schwadronieren. Sogar eine erheblich jüngere "Freundin" (Susana Fernandes Genebra) kann er sich ungestraft und von der Frau umsorgt im Hause halten. Die Frau delektiert sich an ihrem zwei Jahrzehnte währenden Status als gedemütigte Schlampe und zahlt es ihrem einstigen, zunehmend weinerlicher werdenden Liebhaber endlich aufs Süffisanteste heim. Der nimmt schließlich die Chance wahr, entweder erneut mit der Frau anzubandeln oder es mit der Freundin zu versuchen, mit der er sich vom Mann unter dem knarrenden Holzboden einnageln lässt. Und die Freundin, im dritten Monat schwanger, kostet die Situation der schuldlosen Schuldigen genießerisch dauerlächelnd nach Kräften aus. Fehlte nur noch, dass man sich zu einem Glase Rosé gesetzt hätte. Das freilich verhinderte Bühnenbildner Dirk Becker, der die Bühne komplett leergeräumt und lediglich den lärmenden Boden beigesteuert hat. So geht das zu in Kreisen mit Designerklamotten. Man macht sich gepflegt gegenseitig fertig, ist auch durchaus exaltiert, freilich mit Maß und Ziel, fuchtelt gar mit der Pistole umher, poliert sich zum Zwecke des Entfachens nachlassender Lust schon mal die Fresse und freut sich im Grunde über diese neuen Erfahrungen, die man eloquent verarbeitet. Am Ende scheint der Mann der einzige Sünder zu sein, aber es hätte auch andersherum kommen können. Boulevard auf hohem Niveau, intelligent verfasst und ebenso intelligent eingerichtet. Und die Schauspieler haben offensichtlich ihre Freude an diesem verbalen Beziehungspingpong, bei dem sie ihre Kunst des Darstellens moderner Weltläufigkeit und larmoyanter Mittelklassen-Nonchalance aufs Schönste zeigen können. Und wenn da nicht diese triste Garagenatmosphäre wäre, in der sie in Wahrheit leben, dann würden wir diese Typen vermutlich sogar beneiden. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||