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In bester Ferienlaune getanzt Wenn ihm sein bisheriger Chef Reid Anderson die nach zwanzig Jahren wohlverdiente Abschiedsvorstellung verweigert, dann macht sich Mark McClain eben selber eine. In der Fellbacher Schwabenlandhalle zeigte der, seit wenigen Tagen ehemalige, Erste Solist des Stuttgarter Balletts im eigenen Pas de deux "lefttennistango" noch einmal alles, was seine Fans an ihm so geliebt haben: explosive Sprungkaskaden, tolle Pirouetten und ein übermütig lachendes Koboldgesicht. Ihm zur Seite, charmant und verwirrend sexy, Giulia Menicucci, der Sonnenschein des Stuttgarter Balletts. Daß der Choreograph McClain auch anders, ernsthafter kann, das hat er mit der Uraufführung "Touch" bewiesen, mit welcher der Ballettabend des Fellbacher Europa-Festivals der Nationen beschlossen wurde. Das Werk wirkt, allein schon durch seine blauen Trikots, wie eine Hommage à George Balanchine, den Lehrmeister aller heutigen Choreographen. Mit kühler Klarheit schildert McClain zum Konzert für zwei Klaviere von Igor Strawinsky kleine Liebesgeschichten, von denen sich vor allem die Eröffnungssequenz mit der atemberaubend schönen Sue Jin Kang und dem männlich sympathischen Tamas Detrich als höchst gelungen einprägte. Großrahmige Bewegungsmuster, eine kluge und stimmungsvolle Führung der Arme und die ökonomische Nutzung der gesamten Bühnenfläche - das ist ein Weg, auf dem McClain weitergehen sollte. Auch das zweite Hauptpaar Sebnem Gülseker und Ivan Cavallari ist vom Choreographen noch mit individuellen Zügen ausgestattet worden, während Flavia Faria und Gustavo Veiga, Milena Porzio und Eric Gauthier, sowie Giulia Menicucci und Ugur Seyrek im Hintergrund eher als attraktive Boten der Nachricht dienten, daß die Liebe im Grunde immer gleich problematisch ist. Am Ende bleibt jeder in seiner eigenen Schwebe. Schön die durch bunte Hänger fein bebilderte Bühne von Hans Späth. Die zweite Uraufführung des Abends steuerte der Stuttgarter Tänzer Christian Spuck bei. "Amores I" zum Sommer-Konzert aus Vivaldis "Die vier Jahreszeiten" ist eine ziemliche Überraschung. Geisterten Spucks bisherige Stücke wie Bilderrätsel durch die Bühnendämmerung, so ist dieses ein helles, dynamisches Werk, dessen Tänzer sich unter dahinjagenden Videowolken buchstäblich auf die Socken machen. Offenbar in die Theaterferien. Die Herren Robert Tewsley, Eric Gauthier und Rolando d'Alesio sind bereits nicht mehr richtig rasiert, den Damen Julia Krämer und Yseult Lendvai huscht schon mal ein unfreiwilliges Lächeln übers Gesicht. So wie das Freiburger Kammerorchester Vivaldis Werk kräftig gegen den Strich bürstet, so werfen sich die Tänzer voller Power in die mit rasend schnellen und riskanten Hebeaktionen getunte Choreographie. Immer wieder brechen Paare zu individuellen Duos aus der Gruppe, die sich sofort auf Beobachtungsposten begibt und sich bald erneut in den rasanten Bewegungsfluß mischt. Ulrike Barths pastellfarbene Kostüme, die Stuttgarter Tänzer in Urlaubslaune, ein sich aufgeräumt gebender, ganz neuer Choreograph Christian Spuck - das Publikum geizte nicht, wie auch später bei Mark McClain, mit viel Applaus und Bravorufen. Zuvor war Spucks "Songs from A Secret Garden" aus dem vergangenen Jahr zu sehen, wohl überarbeitet, auch etwas interessanter, aber noch immer mit dem leicht weggetreten anmutenden Seelchen Yseult Lendvai als Sprecherin belastet. Vielleicht ändert ja Spuck irgendwann auch das noch weg. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||